Die Deutsche Gebärdensprache (DGS)

Heute stellen wir euch einen Gastbeitrag von Andreas Costrau vor, unserem Kooperationspartner und Berater.
Andreas ist Leiter der Gebärdensprachschule „gebaerdenservice" in Berlin. In seiner Arbeit als Gebärdensprachdozent, sowie als DGS-Coach/DGS-Supervisor, ist es für ihn von zentraler Bedeutung, die deutsche Gebärdensprache mitsamt ihrer Geschichte und Kultur zu vermitteln. Damit und mit seiner unermüdlichen Aufklärungsarbeit setzt er sich für die Sichtbarkeit und die Gleichberechtigung der Taubengemeinschaft ein.

 

Die Deutsche Gebärdensprache (DGS)

– Eine natürliche, eigenständige und anerkannte Sprache und noch so viel mehr!

 

Wir schreiben das Jahr 2022, schon fast 2023, und noch immer muss ein solcher Text damit begonnen werden zu erklären, dass die Deutsche Gebärdensprache eine natürliche, eigenständige und anerkannte Sprache ist.
Traurig, aber wahr. Die Sicht auf die Sprache Tauber hat sich mit der Anerkennung vor 20 Jahren zwar verbessert, doch sie wird nach wie vor nicht als das gesehen was sie ist:

 

Die Deutsche Gebärdensprache ist, so wie jede andere nationale Gebärdensprache auch, ein äußerst wertvolles, kulturelles Gut der Tauben. Es ist eine sehr anmutige und komplexe 3-Dimensionale Sprache, bei der die Mimik, die Kopf- und Körperhaltung sowie die 32 Handformen bedeutungstragende Merkmale sind. Mit der Deutschen Gebärdensprache kann alles vermittelt werden – sowohl Inhaltliches, also Sachliches, als auch Emotionen. 

Locker und flapsig plaudern, über höchstkomplexe Themen fachsimpeln, Trauer und Witz zum Ausdruck bringen, Ironie und Sarkasmus und vieles mehr– all das ist selbstverständlich möglich in Gebärdensprache.

Verschiedene nationale Sprachen, unterschiedliche Dialekte in einer nationalen Gebärdensprache, wie z. B. der DGS, individuelle Sprachstile – alles Teil der natürlichen Gebärdensprachen.

 

Elemente aus der Gebärdensprache werden außerdem auch gerne als Kommunikationsmöglichkeit für z. B. Kinder mit geistiger Behinderung oder autistischen Kindern genutzt oder aber auch für die Kommunikation mit Kindern im Babyalter. 

 

Leider wurde die Sprache der Tauben Jahrtausendelang verhöhnt und verspottet. Und auch heute wird sie noch nicht als vollwertige Sprache erkannt, weswegen die Nutzer:innen der Gebärdensprache sehr sensibel sind, wenn es um ihre Sprache geht. Dementsprechend ist auch die Verbreitung der DGS ein äußerst sensibles Thema. Selbstverständlich können alle Menschen Gebärdensprache lernen – Es ist sogar sehr wünschenswert, dass unsere Gesellschaft versteht, dass in jedem Land zwei nationale Sprachen existieren – zum einen die Laut- und zum anderen die Gebärdensprache – und der Zugang zu und das Erlernen von Gebärdensprache damit „normal“ werden. Aufgrund der anhaltenden Unterdrückung und Diskriminierung ist dabei allerdings von absolut zentraler Bedeutung der Sprache und ihren Nutzer:innen mit Respekt zu begegnen! 

 

In Bezug dazu gibt es einen stillen Kodex – also ein paar Grundregeln – der hoffentlich irgendwann nicht mehr notwendig ist:

  1. Keine Vermarktung der Gebärdensprache ohne Taube Mitwirkende
  2. Gebärdensprache, ihre Nutzer:innen sowie Kultur mit Respekt behandeln
  3. Sich mit kultureller Aneignung beschäftigen bzw. diese mit allen Mitteln vermeiden 

 

Anknüpfend an die genannte Sensibilität sowie den stillen Kodex möchten wir zur Vertiefung gerne das Video: "Warum regen sich die Tauben immer auf wenn hörende ...." empfehlen.

 

Wer sich gerne allgemein vertiefend mit dem Thema beschäftigen möchte, dem:der empfehlen wir zum einen das Buch DEAFHOOD vom Tauben Professor Paddy Ladd aus Bristol / England und zum anderen das Video „Warum müssen wir Taube immer wieder erklären,…“.

 

P.S.: Zu guter Letzt – Wenn Sie Lust auf Präsenzkurse oder Onlinekurse (da kommen wir zu Ihnen ins Wohnzimmer :) ) in Deutscher Gebärdensprache haben, dann heißen wir Sie gerne in unseren DGS-Kursen herzlich Willkommen. Schauen Sie sich einfach unser Kursangebot an unter www.gebaerdenservice.de 


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